„erfolgLOS“ – eine Leseprobe

Mark Twain wird nachgesagt, es nie zugelassen zu haben, dass sich die Schule in seine Bildung einmischte. Diesen verlockenden Gedanken gilt es zu kultivieren, denn selbst für den Fall, dass er dies so nie ausgesprochen hat, ist die Überlegung jedenfalls bemerkenswert.

Da die Schule der Arbeit voranzugehen pflegt, ist es sinnvoll, sich dem Scheitern bereits im Kindesalter zu widmen. Für den totalen Lebensabsturz von Kindern kann es nur eine schulische Lösung geben, egal wie kaputt das Elternhaus bereits sein mag. Ich will in diesem Exkurs eine Methode zum Scheitern vorstellen, die modernen Eltern einen Ansatzpunkt dafür gibt, wie sie verhindern können, dass aus ihrem Spross der nächste Nobelpreisträger wird.

Gehen Sie davon aus, dass Ihre Kinder ausschließlich an den allerbesten Schulen und Internaten die Menschen werden, die Sie als Eltern heranziehen wollen. Elite-Kindergarten bis Elite-Universität, elitäre Ausbildung garantiert ein langes und erfülltes Leben. Ignorieren Sie die Bedürfnisse der Jugend, erwarten Sie von Ihren Kindern die Erfüllung Ihrer eigenen Lebensträume, die Sie selbst nicht realisieren konnten. Die Ausführungen zum Thema Schule sollen daher mit größtmöglicher Aufmerksamkeit studiert werden, da man als zumindest potenzieller (Groß-)Elternteil bereits wissen sollte, welche Möglichkeiten man hat, die kommende Generation „hineinzutunken“.
Besondere Erwähnung finden unsere extrem bemühten, aber ebenso gestressten Pädagogen. Sie tragen die Verantwortung für die Situation der Kinder untertags. Ihnen und der Organisation Schule sei der folgende Abschnitt gewidmet.

Bei näherer Betrachtung der Schulzeit drängt sich der Schluss auf, dass dieses mehrjährige Programm nicht allein aus purer Kinderschikane seitens der öffentlichen Hand verpflichtend installiert wurde, sondern ein tieferer Sinn dahinterstecken könnte. Vorrangig wird von  offizieller Seite stets betont, wie wertvoll die angediehene schulische Ausbildung für den zukünftigen Berufs- und Arbeitserfolg der Sprösslinge wäre. Mit dem vermittelten Wissen würde der Geist geschult und zukünftige Erwerbsaufgaben verlören ihre Unbezwingbarkeit – eine traumhafte Situation für alle, die an dieses Modell glauben.
Kann es Zufall sein, dass unser Schulsystem darauf aufgebaut ist, Kinder, die vom Charakter kaum unterschiedlicher sein könnten und deren alleinig übereinstimmende Merkmale der Wohnort und das Geburtsjahr sind, in einheitlichen Schulklassen zwangsweise für nahezu dieselbe Zeitspanne unterzubringen, in welcher die Eltern ihrer Arbeit nachgehen? Wie praktisch, dass elterliche Arbeit und der tägliche Schulbesuch zeitlich so gut harmonieren.
Könnte es sein, dass dieses System darauf ausgelegt ist, zukünftige Mitarbeiter für die Industrie zu züchten, die in der Lage sind,  Arbeitsanweisungen sinnerfassend aufzunehmen und wiederzugeben, und es um nichts anderes geht?
Welchem Bildungsauftrag können Lehrer nachkommen, die zeit ihres Daseins anderen erklären, wie etwas zu verstehen ist, und sich selber mit ihren Leistungen nie im freien Markt bewähren müssen?

Das „geschulte“ Auge erkennt sofort, dass es durchaus möglich ist, einen der zahlreichen Ansätze für die Erfolglosigkeit im Leben im Schulsystem zu finden. Vertrauen Sie also den folgenden Aussagen gänzlich, hinterfragen Sie keineswegs und lernen Sie bitte alles auswendig.

[…]

Fortsetzung  in „erfolgLOS“ [anleitungen. zum. scheitern. mit. stil] von Christian Pongratz

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