Vorauszahlungen und Umsatzsteuer

Für Vorauszahlungen, die bereits als Entgelt für noch zu erbringende Leistungen anzusehen sind, entsteht die Steuerschuld gem. § 19 Abs. 2 Z 1 lit. a zweiter Satz UStG im Monat der Vereinnahmung. Die künftige Leistung muss hinreichend konkretisiert sein.

Nach dem Erkenntnis des VwGH vom 1.6.2017, Ro 2015/15/0037 sind Zahlungen, bei denen im Zeitpunkt der Vereinnahmung noch unklar ist, für welche Leistungen sie bestimmt sind, nicht zu versteuern. Anzahlungen sind nur steuerbar, wenn die künftigen Gegenstände oder Dienstleistungen zum Zeitpunkt der Anzahlung genau bestimmt sind (EuGH vom 21.2.2006).

Gutscheine, die zum Bezug bestimmter, aber noch nicht spezifizierter Waren berechtigen, sind nicht zu versteuern. Gutscheine, bei denen die Leistung bereits fixiert ist (z.B. Eintrittskarte für eine bestimmte Vorstellung, oder auch der Anschluss an eine Abwasserbeseitigungsanlage) oder zu einem beliebigen Zeitpunkt in Anspruch genommen werden können (z.B. Vorverkaufsscheine, Telefonwertkarten) begründen die Anzahlungsversteuerung.

Lt. VwGH hängt das Schicksal einer Anzahlung am nachfolgenden tatsächlich bewirkten Umsatz. Das gilt für den anzuwendenden Steuersatz bzw. auch für anzuwendende Steuerbefreiungen.

Eine vom späteren Umsatz losgelöste Betrachtung der Anzahlung ist nicht möglich.

⇒ Anmerkung:
Erhält ein umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer (§ 6 Abs. 1 Z 27 UStG) eine steuerbare Anzahlung, so ist diese Anzahlung umsatzsteuerfrei, wenn auch die spätere Lieferung bzw. Leistung unter die Kleinunternehmerbefreiung fällt. Wurde die Anzahlung versteuert (Normalversteuerung) und ist im Folgejahr bei der Lieferung bzw. Leistung die Kleinunternehmerregelung anzuwenden (keine Option), ist die Anzahlungsversteuerung zu stornieren. Wurde auf dem Anzahlungsbeleg Umsatzsteuer ausgewiesen, muss der Beleg berichtigt werden, sonst besteht die Pflicht zur Abfuhr dieser Umsatzsteuer.

Aus der „Umsatzsteuer Aktuell“ Ausgabe 152/Oktober 2017

 

Kommentare sind geschlossen.

Lade ...